Warum du deine Beziehung nochmal auf Herz und Nieren prüfen solltest, bevor du dich trennst

Gleich vorab, ich unterstelle niemanden, so verantwortungslos zu sein, den Partner wie ein nicht mehr chices T-Shirt einfach aussortieren zu wollen. Und gleich hinterher die Antwort auf meine Frage: ob ich glücklich oder unglücklich bin in meiner Beziehung hängt viel mehr von mir selbst ab als von meinem Partner und ich sage wirklich – viel mehr. Hast du Schmetterlinge im Bauch und der Mensch an deiner Seite hat Riesenchancen dein Lieblingsmensch zu werden, dann helfen dir u.a. deine Glückshormone die Gelegenheit beim Schopfe zu packen und aus der Liebelei eine Beziehung zu machen. Du schaust – und das hat die Natur schlau eingerichtet – durch die berühmte rosarote Brille, die perfiderweise mit riesigen Scheuklappen ausgestattet ist. Aber das merken wir erst später. Jetzt ist es voll gut so! Ehrlich, erstens – dieses geile Gefühl der Verliebtheit ist doch unbezahlbar und zweitens – wir trauen uns in diesem Momenten groß zu träumen. Wir erschaffen uns eine Vision einer glücklichen gemeinsamen Zukunft! Die ist extrem wichtig. Denn wie will ich sonst etwas gestalten, wenn ich keine Ahnung habe, wie es aussehen soll. Du musst wohl zugeben, dass du hin und wieder auch auf dich selbst mit dieser wunderbaren Brille schaust. Logisch, jeder möchte gern für den anderen ein gutes Bild abgeben. Nichts dagegen einzuwenden. Dass die eine oder andere kleine persönliche Meise früher oder später sichtbar wird, ist kein Geheimnis. Irgendwann fängt es vielleicht sogar an zu nerven, zu stören, zu trennen.

Da das Unterrichtsfach Gestalten glücklicher Beziehungen leider noch keinen Einzug in die Stundenpläne von Schulen gefunden hat und die Menschen, die unsere Kindheit erziehend begleitetet haben darin auch manchmal mit Überforderung zu kämpfen hatten, stehen wir bei der Lösung dieser Fragen allein auf weiter Flur – schlecht vorbereitet und der Sache irgendwie nicht gewachsen. Wir müssen uns eingestehen, dass wir einfach nicht gut ausgerüstet sind. Was heißt das? Wir streiten. Das können wir. Das haben wir gelernt, allerdings – und das merken wir leider nicht – streiten und kämpfen das Ego und in vielen Fällen die noch verletzten inneren Anteile in uns. Und natürlich auch in unserem Partner. Die waghalsigsten Streiter sind dabei die Kritik (Wieso lässt du eigentlich immer deine Klamotten im Bad liegen?), die Verteidigung (Ich habe es einfach nicht mehr geschafft, sie wegzuräumen.), die Verachtung (Du bist wie deine Mutter.) und der Rückzug (Schweigen, Weggehen aus dem Streit, aber eigentlich aus der Beziehung).

Kommt dir das bekannt vor? Weil diese Streiter, je länger und intensiver Auseinandersetzungen geführt werden, unweigerlich Nähe und Vertrauen in der Beziehung auslöschen, werden sie oft als die unheilvollen, das Ende vorhersagenden Boten einer Beziehung bezeichnet – die apokalyptischen Reiter (John Gottman).

Wie sieht das in deiner Beziehung aus? Wo kämpfst du? Wo schickst du die Reiter der Apokalypse in die Schlacht? Geh raus aus diesem Feld. Halte inne und richte den Blick einmal auf das, was in eurer Partnerschaft friedvoll, wohlwollend und verständnisvoll ist. Wo liegen da eure Ressourcen? Wenn du jetzt vielleicht erkennst, dass du bislang selbst Öl in das Feuer des apokalyptischen Infernos gießt, dann frage dich, ob du tatsächlich schon alles gegeben hast, um deiner Partnerschaft eine Chance zu geben. Erinnere dich, du hattest eine Vision, einen Traum und dein Lieblingsmensch ist immer noch an deiner Seite…

Um hier niemanden zu irritieren, es gibt mehr als einen guten Grund, eine schlechte Beziehung zu beenden und nur du kannst entscheiden in voller Verantwortung für dein Wohlbefinden, wann dieser Zeitpunkt gekommen ist.

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: